Buddhismus

Immer mehr begann ich, Interesse für den Buddhismus zu entwickeln. Auch hier war mir das Vorbild das Original, die Klöster. Diese gab es hier natürlich nicht, aber es gab in der Volkshochschule eine Einführung in den tibetischen Buddhismus. Mir tat sich eine Welt auf die mich ahnen ließ, dass ich auf der richtigen Spur war das zu finden was ich suchte – Mystik und Metaphysik.

Ich erfuhr über das Tibetische Lebensrad, das ewige Rad der Wiedergeburten. Wiedergeboren werden wir hauptsächlich aufgrund von Begehren. Name und Form faszinieren uns mehr als das Mysterium zu dem die Seele sich zurücksehnt. Dieses Gedankengut zieht sich durch alle asiatischen Weltanschauungen, so perfekt ausgearbeitet wie hier im Tibetischen Buddhismus habe ich es nie mehr gefunden. Der Kursleiter hatte reichlich Literatur Vorschläge für uns Anfänger, mein erstes Buch war die Geschichte von Milarepa, verstanden hatte ich sie damals noch nicht, aber ich las das Buch zu Ende. Zweimal im Jahr gab der Herr seine Kurse, ich fieberte jedem Termin entgegen.

Ich schloss mich dann einer deutschen Gruppe an, die in einem Wohnhaus eine Etage gemietet hatte. Man traf sich zur Meditation und hin und wieder kamen Lamas und hielten Vorträge. Mir gefiel es dort sehr gut. Es gab keine Regeln, nein, das ist falsch, es gab Regeln, aber man war frei in der Einhaltung. Keinen strafenden Gott gab es da. Man war für sich selbst verantwortlich. Es galt das Gesetz der Rückwirkung, Karma genannt. Jeder ist seines Glückes (oder auch Peches) Schmied. Werfe ich den Ball voll Zorn mit Wucht an die Wand kommt er mit Wucht zurück … das war mir eingängig.

Nun kam der Tag, dass ein Lama ein großes Fest in diesem Zentrum zelebrierte. Ich fragte, ob ich teilnehmen dürfe. ‚Da musst du vorher Zuflucht nehmen‘ erfuhr ich. Ich hatte keine Ahnung was das ist sagte einfach ‚ja, ja‘ konnte nichts Schlimmes sein. Auf die Idee nachzufragen kam ich nicht.

Das Fest begann und vier Teilnehmer, darunter ich, wurden nach vorn gerufen. Es begann eine Zeremonie und als diese fertig war, war mir klar, nun war ich Buddhist, hatte einen buddhistischen Namen bekommen. Zuflucht nehmen heißt Buddhist werden.

Natürlich war ich in euphorischer Stimmung, war mir der Heiligkeit dieses Aktes bewusst. Dennoch, im Nahhinein zeigt es, wie sorglos im Westen mit so etwas umgegangen wird. Auch der Lama prüfte nicht, wen er einweihte. Mir war jedenfalls klar, ich konnte hier nicht so raus wie ich reingekommen war.

Ich hatte einen Kollegen, ein überzeugter Anthroposoph, der Vegetarier war. Das war mein großes Ziel, allein ich konnte vom Fleisch und Fisch nicht lassen. Als ich nun so dasaß und überlegte was ich in meinem Leben ändern könnte fiel mir das ein. Ab jetzt bin ich Vegetarier.

Die Herausforderung kam gleich am nächsten Montagmorgen, eine Kollegin gab ihren Ausstand. Stolz verschmähe ich die Wurst- und Lachsbrötchen, griff zum Käsebrötchen. Dass Käse auch Tier enthielt wusste ich damals noch nicht, auch Vegetarier zu sein muss man lernen. Ich jedenfalls wurde ein militanter 100 %iger Vegetarier. Das zeigt, dass sich in einem drin etwas bewegen muss, Vorsätze und sich zwingen ist nicht der richtige Weg.

Gewissermaßen geschockt waren meine Eltern über ihre seltsame Tochter. Zu Hause zu essen war mir nun praktisch unmöglich, bei uns gab es nur Fleisch und ich aß ja auch keine Soße in der Fleisch zubereitet wurde. Auch in der Kantine wurde es nicht leichter, aber alles pendelte sich ein, wie gesagt, auch hier ist nur aller Anfang schwer.

Mit dem Tibetischen Buddhismus und auch den anderen buddhistischen Traditionen beschäftige ich mich intensiv, so viele Gruppen wie heute gab es nicht. Ich war begeistert, aber ‚meins‘ war es noch nicht. Da musste noch etwas kommen.

            
            
          
      

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