Über diesen Blog

In diesem Blog lasse ich mein Reiseleben von 1976 – 2011 Revue passieren anhand dessen was ich noch erinnere. Ich beschreibe keine Sehenswürdigkeiten, keine Routen und gebe keine Reisevorschläge, ich plaudere einfach über das was mich nachhaltig beeindruckte.

Meine Ziele – Europa, Nordafrika, Asien – begleiteten mich durch mein Leben, lehrten mich Achtung vor anderen Kulturen und Lebensweisen. Erlebnisse, persönliche Gedanken und Bilder wechseln sich ab – herzlich willkommen – begleiten Sie mich!

Der Blog hat leider einen Schönheitsfehler.

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Blogs setzen sich in der Regel von unten nach oben fort, ich beauftragte einen, der sich von oben nach unten fortsetzt. Dies ging bei der Anlage unter und nun führte die Navigation in die falsche Richtung. Nach langem Warten erklärte mir die Webdesignerin, dass dies nicht zu beheben sei.

Ich werde mir einen neuen Blog anlegen lassen, bis dahin bitte ich um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten. Bitte orientieren Sie sich bis dahin am Navigationsblock rechts.

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Erste Sehnsüchte

Auch ein Storch macht mal einen Fehler … vielleicht war er neu, vielleicht eine Aushilfe … wer weiß, jedenfalls brachte er mich zu Eltern, zu denen ich so überhaupt nicht passte. Irgendetwas ging schief bei der Auslieferung.

Ich war ein quirliges, neugieriges Kind, wollte ausprobieren, alles anders machen als üblich, in jedes Loch schauen, überall meine Nase reinstecken. Meine Eltern waren genau das Gegenteil.

Mein Vater brauchte nichts weiter als sein Klavier um glücklich zu sein. Meine Mutter war selig, wenn sie handarbeiten konnte und die Familie bekochen und bebacken.

Oft waren wir im Schwarzwald zum Wandern, in Freudenstadt stand ein Verkehrsschild das nach Straßburg wies … so um die 60 km kann ich mich erinnern. Voll Sehnsucht stand ich davor und bettelte, dass wir mal nach Straßburg fahren mögen. Da sah doch sicher alles ganz anders aus. Meine Eltern erfüllten mir so gut wie jeden Wunsch, diesen nicht.

Um ins Ausland zu kommen musste ich warten bis ich fast 20 Jahre alt war und ein Kollege nach Zürich zu einer Besprechung fuhr und mich und eine Kollegin mitnahm. Meine Güte war ich aufgeregt … die Desillusionierung folgte allerdings gleich bei der Ankunft … alles wie bei uns! Um eine Tafel Lindt zu kaufen war ich nicht in die Schweiz gefahren. Ich wollte doch allen etwas ganz Exotisches mitbringen. Etwas das sie noch nie gesehen hatten. Ich fand nichts dergleichen.

Wann ich dann das erste Mal in Straßburg war weiß ich nicht mehr, ich weiß nur, dass es mir die Stadt sofort angetan hatte, es gab dort in jener Zeit nämlich viel schönere Schuhe als bei uns, ein Grund, den einen oder anderen Samstag dort zu verbringen.

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Wo andere schon waren

In den sechziger Jahren waren Bekannte, deren Dackel meine Oma hin und wieder hütete, auf Mallorca. Das war damals der letzte Schrei. Ich konnte damit noch nichts anfangen, freute mich über ein Perlenkettchen das sie mir mitbrachten, als Dank, weil ich mit dem Dackel während der zwei Wochen Gassi gegangen bin.

Fräulein B., meine Lehrerin in der dritten und vierten Klasse Volksschule, kam eines Tages aus den Ferien zurück und verkündete, dass sie in Tunesien gewesen und auf einem Kamel geritten sei. Wir waren alle tief beeindruckt. Es ist sicher Zufall, dass meine erste Reise außerhalb Europas nach Tunesien ging. Ob ich auf dieser Reise auf einem Kamel ritt weiß ich nicht mehr, glaube eher nicht, das kam erst in Ägypten dran.

Mitte der siebziger Jahre traf ich im Büro jemanden, der aus China zurückkam … ich konnte nur staunen … China …  meine Güte … er hätte auch auf dem Mond gewesen sein können. Wieder Zufall, dass meine erste Asienreise nach China ging?

1981 machte sich eine Kollegin auf nach Sri Lanka und kam begeistert zurück.

Jetzt war es aber genug, musste doch mal schauen, wann ich mir so etwas leisten konnte. Holte also jede Menge Prospekte aus dem Reisebüro. Wenn ich nun nicht das Billigste nehmen wollte, sondern etwas Schönes, dann musste ich wohl noch etwas warten. In Sri Lanka war ich dann 1992, hat mich wenig beeindruckt, hatte vorher schon zu viel gesehen.

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Wie alles begann

1973 war es soweit, ich war jetzt berufstätig. Meine Eltern hatten mich in eine Großfirma gesteckt, wo ich gut versorgt war und gut verdiente. Ich wollte eigentlich Tierpflegerin werden, aber sie meinten, das sei nichts. Sie hatten sicher nicht unrecht … ich hatte Daktari zum Vorbild, eine Fernsehsendung um einen Tierarzt in Afrika, heile Welt – Affe und Löwe als Haustier.

Die Realität sah sicher anders aus in einem Zoo und als ich dann nach Jahren mal eine Besichtigung eines solchen mit der Volkshochschule machte, da wurde mir vieles klar … täglich wird eine Tonne vergaster Eintagsküken angeliefert, mit denen ich dann die Tiere auf deren Speiseplan sie standen hätte füttern dürfen … also nix mit Banane und Äffchen … die Realität hatte mich eingeholt.

Die Frage was wäre aus mir geworden wäre ich Tierpflegerin geworden … soll ich sie mir stellen? Nein, alles ist richtig so wie es ist. Es wartete ein spannendes und erfüllendes Reiseleben auf mich, aber davon wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Erstmal wohnte ich noch zu Hause, Bett wurde gemacht, der Kühlschrank war gefüllt und nebenbei hatte ich mein eigenes Geld. Führerschein und Auto ließ ich mir noch schenken, aber dann wollte ich selbständig sein.

Kleinere Reisen mit dem Bus waren schon möglich. Ein Wochenende in Paris, in Wien, Ostern in Belgien, zur Tulpenblüte nach Holland.

Eine Kollegin war 1975 auf Ibiza und suchte 1976 jemanden der mitging. Na das war doch was, mein erster Flug. In Ibiza war dann der Streit vorprogrammiert … nachts Party, tagsüber am Strand schlafen – das war nichts für mich. Ich wollte aktiv sein, mir die Insel anschauen und ich begann, wieder bei Nacht zu schlafen und den Tag mit Ausflügen zu füllen. Zum Glück hatten wir Einzelzimmer. So machte ich erstmal mit dem Bus eine Inselrundfahrt, mietete mir ein Rad, fuhr mit dem Glasboden Boot hinaus aufs Meer und mit einem Schiff rüber nach Formentera. Meine Kollegin war zu keiner Aktivität zu motivieren, wir sahen uns bis zum Abflug kaum mehr. Sie war zudem sauer, fühlte sich in Stich gelassen. Ich will auch nicht sagen, dass ich kein schlechtes Gewissen gehabt hätte. Ich wusste, dass sie eher träge war, hätten wir uns doch vorher darüber unterhalten was eine jede unter Urlaub versteht. Wie immer ist man hinterher schlauer.

Vielleicht reifte zu jener Zeit auch etwas … ich war immer ein ‚braves Kind‘, machte was die Eltern für richtig hielten. Ich hatte keine strengen Eltern, hatte weit mehr Freiheiten als damals üblich war   … doch wollte ich nun kein ‚braver Erwachsener‘ werden. Ich wollte meinen Lebensweg gehen.

Meine nächste Reise machte ich gleich alleine, zwei Wochen London, mein zweiter Flug und weil mir das Starten und Landen so gut gefallen hatte flog ich nicht direkt, sondern über Frankfurt. Darauf folgte die Cote d’Azur, Venedig, Wien, Rom, Lausanne, Verona, Paris, Mailand, eine Rundreise durch die Provence, durch Schottland, durch Norwegen.

Norwegen hatte es mir angetan, die Landschaft, das Essen, die Schokolade, das Eis – da musste ich nochmal hin und wenn schon, dann gleich ans Nordkap. Am Nordkap hatten wir klaren Himmel und ich konnte die um Mitternacht vorbeiziehende Sonne betrachten. Ein unvergessliches Naturschauspiel. Und wenn es nachts nicht dunkel wird … das ist schon auch ein Erlebnis.

Alle diese Reisen machte ich mit dem Bus, damals die billigste Art zu reisen und wenn man alleine unterwegs ist findet man schnell Anschluss, ist aber dennoch frei. Ich fand das irgendwie ideal.

1980 verließ ich das Hotel Mama. Ich mietete mir ein 40 qm Appartement, mehr war finanziell nicht drin, wenn ich mit dem Reisen weitermachen wollte. Reichte auch vollkommen, ich war ja im Prinzip nur zum Schlafen zu Hause. Meine Arbeit machte mir nämlich große Freude, danach ging‘s oft mit Kollegen noch auf ein Bier oder ich ging reiten, was ich schon als Kind machen wollte, aber meine Eltern nicht erlaubten, weil es zu gefährlich sei.

Im Hotel Mama bekommt man ja so gar nicht mit was das Leben kostet und wie alles finanziell funktioniert. Jedenfalls bekam ich 1981 eine Mietrückzahlung von 411 Mark – den Betrag werde ich nie vergessen – gleichzeitig verringerte sich meine Miete um 25 Mark. Welch ein unerwarteter plötzlicher Reichtum!

Und da ich nur ausgegebenes Geld als Bereicherung empfinde war die große Frage wohin mit den 411 Mark? Bei einem Stadtbummel fiel mein Blick dann eines Tages auf das Fenster eines Reisebüros, 4 Tage Tunesien Rundreise für nur wenig mehr, genau weiß ich den Preis nicht mehr.

Tunesien … das war Orient … damals kursierte noch das Gerücht, dass eine blonde Frau dort von Einheimischen geraubt und gegen Kamele eingetauscht werden würde. Ich war blond, die Reise war also ein Risiko. Aber wenn ich mich nicht von der Reisegruppe trennen würde, wenn ich einfach keinen Moment allein in einem engen Bazar unterwegs war, wenn ich mein Hotelzimmer fest verschloss, dann müsste es doch möglich sein wieder nach Hause zu kommen … diese Gedanken gingen mir damals wirklich durch den Kopf, dennoch buchte ich in einem Anfall von Mut 4 Tage Tunesien vom 27. – 30. Januar 1982. Die Neugier hatte gesiegt.

Ich wurde nicht geraubt, sondern ich lernte ein Land voll liebenswerter Menschen kennen, ein Land, das mich, stellvertretend für den Orient, in seinen Bann zog. Endlich war ich da angekommen, wo alles anders aussah als in Europa. Wenngleich es mit den exotischen Mitbringseln noch haperte. Datteln gab’s ja auch bei uns … aber halt nicht so frisch. Mit irgendetwas muss man sich ja motivieren.

Auch wenn die Reise nur kurz war und nur einen winzigen Ausschnitt des Landes zeigte – Monastir, Gabes, Tozeur – begann nach Tunesien mein eigentliches Reiseleben das zu meiner Lebensreise wurde.

Klar schaute ich mir auch Europa noch an, Italien, Spanien, Russland und eine Reise mit dem Glacier Express durfte nicht fehlen … die Overtüre zu viel Schönem …

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Wie ich ein Freigeist wurde

Drei Erlebnisse, die mich prägten und mir etwas mit auf den Lebensweg gaben.

Beginne ich im Kindergarten, ich höre schon immer sehr gut, auch heute noch im Alter. Wir standen in Reih und Glied vor Kindergärtnerin und Nikolaus, die nebeneinander saßen. Für jedes Kind hatte der Nikolaus ein Geschenk und einen Kommentar in Richtung ‚Brav gewesen oder nicht.‘ Nun hörte ich leider, wie sie ihm ins Ohr flüsterte was er zu mir sagen sollte.

Dann Fräulein B. meine Lehrerin in der dritten und vierten Klasse Volksschule. Welches Kind sagt nicht, wenn es bei etwas erwischt wird erstmal ‚Ich war’s nicht.‘ Fräulein B., eine alte Dame, die meine Oma hätte sein können, hatte nun die besondere Gabe, das Lügenmännchen in den Augen des Lügners zu sehen. Natürlich war auch ich immer mal wieder unter den Delinquenten … nur dumm, dass sie bei mir einmal das Lügenmännchen sah, als ich unschuldig war und nicht log.

Die Dritten im Bunde waren meine Eltern. Ich kam eines Sonntagmorgens ins Schlafzimmer zum Kuscheln, wie so oft. Diesmal kam ich offenbar ungelegen. Meine Mutter meinte: ‚Da in dem Schrank sind die Weihnachtsgeschenke, nimm‘ dir eines und geh‘ wieder.‘ Ich nahm keines sondern ging zurück in mein Zimmer, enttäuscht in zweierlei Hinsicht. Einmal die Eltern, die mich nicht haben wollten und die Tatsache, dass dieser Schrank, der doch vom Christkind vom Himmel aus bewacht wurde, den ich nie und nimmer jemals öffnen durfte, nun zur Plünderung freigegeben war.

Ich glaubte an den allwissenden Nikolaus und war belogen worden.

Ich glaubte an das Lügenmännchen und ausgerechnet die Person, die mich als Lügnerin bezeichnete log mich an.

Und das Christkind, wichtiger als Nikolaus und Lügenmännchen. Was war das immer spannend vor Weihnachten, wenn es kam und mit meiner Mutter besprach was ich mir wünschte und was es davon bringen konnte oder wollte … hing ja von verschiedenen Faktoren ab, die sich alle mit dem damals allgegenwärtigen ‚brav sein‘ zusammenfassen lassen. Das Allerheiligste für mich war besagter Schrank, in dem das was das Christkind gebracht hatte aufbewahrt wurde. Meine Mutter entweihte alles mit diesem einen Satz.

Das Erlebte hat nichts mit dem Reisen zu tun, doch das Geschehene prägte mich. Hinterfrage alles, glaube nur was du selbst gesehen hast, stelle alles in Frage, lasse dich von niemandem konditionieren.

Nicht nur auf meinen Reisen musste ich oft ‚das was ich gehört hatte‘ revidieren, das was man mir als ‚Höhepunkt‘ empfahl unter ‚ferner liefen‘ einordnen.

Man verwechsle was ich schreibe nicht mit Misstrauen. Nur wachsam war ich stets, ließ mir im Leben kein X mehr für ein U vormachen. Damit tat ich mir nicht immer leicht. Vor allem als ich Jahrzehnte später in Indien auf die Guru Szene traf. Doch dazu später.

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Suche

Man mag einwenden, dass ich manche Orte und Länder nur abhakte, nicht genügend lang an einem Ort verweilte. Ja, das stimmt. Ich wollte erstmal so viel wie möglich sehen und dann dorthin wo es mir gefiel zurückkehren. So war ich in den meisten Ländern nur einmal, in anderen zwei Mal, in Indien genau zwanzig Mal. Was ich zu Anfang nicht wusste – ich war auf der Suche.

Wo die Suche zu Ende war können Sie sich jetzt denken …

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Gruppenreise

Ich hatte die Gruppenreise für mich entdeckt. Es wurde mir immer klarer, dass ich stets alleine reisen werde. Mein Bekanntenkreis hatte doch ganz andere Lebensziele als ich … Eigentumswohnung, Hochzeit, Haus, Familie. Reisen würden sie dann wenn die Kinder aus dem Haus sind oder wenn sie in Rente sind. So lange wollte ich nicht warten, heiraten stand eh nicht auf meinem Programm und zu was brauchte ich eine Eigentumswohnung, wenn mir dann die Welt nicht mehr offen stand.

Gutmeinende Mitmenschen gerieten in Sorge: ‚Wirf dein Geld doch nicht so hinaus.‘ Das war ein Standardspruch. Ich bereue keinen Cent den ich für meine Reisen hinausgeworfen habe. Besitz ist vergänglich, Reise-Erinnerungen ewig … mitnehmen kann man allerdings beides nicht. Ich bereue nichts.

Ein sogenannter Traveller war ich sowieso nicht, als stets auf Watte gebettetes Einzelkind wollte ich so komfortabel wie möglich reisen, mit guten Fluggesellschaften fliegen und am Ort wenn möglich ein ordentliches Hotel. Und ich wollte bzw. musste zum vereinbarten Termin wieder im Büro erscheinen. Ich bewunderte die jungen Leute durchaus, die durch Asien reisten ohne Plan und ohne Ziel, am Flughafen saßen und warteten ob sie einen Platz bekämen oder nicht … diese Lockerheit war mir nicht gegeben.

So war die organisierte Gruppenreise für mich ideal. Ich stieg zu Beginn des Urlaubs in ein Flugzeug ein und am Ende wieder aus. Um alles dazwischen kümmerte sich ein Reiseleiter. Das war für mich sorgloses Reisen. Und das Reiseangebot war riesig, da blieb kein Wunsch unerfüllt und kein Ort unerreichbar.

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Marokko 1983

1983 ging es nach Marokko mit Bus und Schiff. Welch ein Zauber, welch ein Traum von Orient. Ich konnte das alles noch gar nicht erfassen.

Die Bazare, die Gewürze, das Couscous, der zuckersüße Pfefferminztee, die heißen Brotfladen. Die Landschaft, die Berge, die Palmenhaine und Sonne, Sonne, Sonne nichts als Sonne. Marrakesch und sein Djemaa el Fna, der Platz auf dem Gaukler und Märchenerzähler sich ein Stelldichein gaben. Auf der Terrasse eines kleinen Lokals tranken wir einen Pfefferminztee und schauten dem Treiben von oben genüsslich zu.

Ich war 1994 nochmal zum Wandern in Marokko, keine Städte, nur Dörfer und Landschaft. 1997 begleitete ich eine Freundin, die die Königsstädte Tour machen wollte. Was rund 15 Jahre doch ausmachten, der Tourismus hatte ganze Arbeit geleistet. Obwohl mit einem Studienreisen Veranstalter unterwegs kam ich mir vor wie auf einer Kaffeefahrt.

Der größte Schock war jedoch der Djemaa el Fna. Das waren keine Gaukler mehr, das waren Profis, jeder mit einem aufgespannten Schirm ‚bewaffnet‘, den er vor sich stellte, sobald ein Tourist ein Foto machen wollte. Erst galt es zu bezahlen. Das kleine Lokal von damals gab es noch, ich erkannte es sofort. Es war aber nun eines von zahllosen Lokalen rings um den Platz. Man bezahlte überall Eintritt in Form eines Gutscheines für ein Getränk. Anders kam man nirgends mehr rein. Man verstehe mich bitte nicht falsch, mir geht es nicht darum in dem Land das ich besuche nicht auch die Menschen und das Gewerbe zu unterstützen, im Gegenteil. Nur waren das eben wenig schöne Auswüchse, die mich vielleicht nicht gestört hätten, hätte ich es nicht Jahre zuvor so ganz anders erlebt.

So gingen wir am letzten Tag noch ein wenig in der Gegend ums Hotel spazieren, wir waren zu viert, kamen an einem Bettler vorbei und gaben ihm alle unser letztes Geld. Als wir uns nochmal umdrehten packte er zusammen – er konnte Feierabend machen, dazu hatten wir beigetragen … ein schöner Abschied.

Doch hatte ich auch eine schlimme Erfahrung in diese Richtung. Ich saß in einem Café als zwei kleine Jungs auf mich zukamen und bettelten. Geld wollte ich ihnen nicht geben, aber ich rief den Kuchenverkäufer, der mit einem großen Tablett durch den Außenbereich des Lokals zog, und sagte den Jungs mit Zeichensprache nehmt euch einen Kuchen. In Sekundenschnelle schoss eine Horde Kinder herbei und plünderte den Kuchenverkäufer, schlugen sich um den Kuchen. Einheimische Gäste mussten die Situation retten. Das Tablett lag leer auf dem Boden, die Kinder waren weg. Ich wäre am liebsten in den Erdboden versunken. So dumm kann nur eine europäische Touristin sein. Ich bezahlte alles und trollte mich. Das war definitiv ein Fauxpas, doch ich hatte daraus gelernt. Kinder scheinen im Orient und in Asien uns zu sehen, aber wir sehen sie nicht. Gibst du einem einen Kuli stehen wie aus dem Nichts alle Kinder des Dorfes vor dir.

Ja, auch Reisen will gelernt sein, man gibt die Kulis, Bonbons oder was auch immer einem einheimischen Erwachsenen. Er kann mit den Kindern umgehen, ihn respektieren sie, er verteilt die Gaben und wenn die Kinder in Streit geraten schlichtet er. So einfach ist das.

Impressionen Marokko

Natur

Der Djemaa el Fna

Und die Industrie … billiges Leder und Baumwolle

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China 1984

Ich war am Freitag mit einer Freundin verabredet. Als ich klingelte war sie noch nicht fertig.

Ich setzte mich an den Tisch … da lag ein Buch von Konsalik – Der Dschunkendoktor. Konsalik war damals in aller Munde, ich hatte noch nichts von ihm gelesen … nach ein paar Seiten war sie fertig, aber ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. ‚Darf ich es übers Wochenende mitnehmen?‘ fragte ich. Ja, ich durfte. Am Sonntagabend war klar, ich muss nach Honkong. Erinnerungen an die Schule wurden wach, wie haben wir über dieses Wort gelacht im Erdkundeunterricht … Hongkong und Kuala Lumpur …

Gleich nach Feierabend gings ins Reisebüro – Hongkong allein gab es angeblich nicht, nur in Zusammenhang mit China. Ich hatte noch keine Erfahrung, kannte mich in der Branche nicht aus, wollte nur einen seriösen Veranstalter, mehr nicht. Und so buchte ich kurzentschlossen die klassische China Einsteigerreise, die am 23. September mit einem Flug nach Peking begann und am 10. Oktober nach drei Tagen Hongkong endete. Ich will nicht verschweigen, dass ich ab dem Tag die eine oder andere schlaflose Nacht hatte.

Bis zu dieser Reise fotografierte ich überhaupt nicht. Da standen vor den ausgewählten Motiven Laster oder Busse, Kirchtürme und Kuppeln waren wegen Renovierung eingerüstet, das Licht stand nicht richtig, der Vogel war weggeflogen bevor man die Kamera herausgeholt hatte … warum sollte ich mir diesen Stress antun? Eine Kamera empfand ich als Ballast, gab es doch hervorragende Postkarten, die die Bauwerke in ihrer ganzen Pracht zeigten.

Mein Vater gab mir Geld, damit ich mir endlich eine Kamera kaufte. Er war ein begeisterter Fotograf, jede Menge Objektive trug er mit sich herum, wenn er auf die ‚Pirsch‘ ging. Ich kaufte mir eine sogenannte Idiotenkamera wo ich nur draufdrücken musste. Ein begeisterter oder gar begnadeter Fotograf wurde ich nie. Damit entschuldige ich auch gleich die Qualität der Bilder in diesem Blog …

Manchmal saß ich zu Hause und fragte mich, warum hast du dieses Bild gemacht? Ich konnte das Motiv nicht mehr erkennen. Die Antwort bekam ich dann einmal von einem Reiseleiter: ‚Man kann Stimmungen, Empfindungen nicht fotografieren.‘ Ich traf auf meinen Reisen Menschen die tausend Bilder pro Reise machten und andere, die gar nicht fotografierten, die es bei Eindrücken beließen.

Einen großen Fehler machte ich mit dem Lesen eines Buches zum Thema Fernreisen und Krankheiten. Nach der Lektüre konnte ich mir nicht vorstellen, dass jemals ein Fernreisender ohne mindestens einen Parasiten und/oder eine Krankheit wieder zurückkäme, was da so alles auf einen lauerte. Da ich nur in großen Städten in Hotels wohnte und auch nicht vor hatte in Flüssen zu baden beließ ich es bei einer Malaria Prophylaxe, der ersten und letzten in meinem Reiseleben.

China war natürlich der Hammer, in jener Zeit sicher nicht das richtige Einsteigerland für ein verhätscheltes Einzelkind wie mich … gern hätte ich schon im ersten Hotel auf dem Absatz kehrt gemacht. Damals war es in China nicht möglich Einzelzimmer zu buchen, ich war mit einer viel älteren und reiseerfahrenen Dame zusammen, die mich tröstete und für eine Zeit Händchen hielt. In dem muffig riechenden Zimmer liefen achteckige Käfer herum, ich floh ins Restaurant. Es war in einem fensterlosen Raum im Keller. Am Eingang stand ein Spucknapf. Es stank. Irgendein mit Haut und Knochen zerhacktes Tier und eine Schüssel Reis wurden uns serviert. Das Mahl roch ähnlich wie das Restaurant an sich. Ich verzichtete auf den Genuss und floh wieder ins Zimmer. Zum Glück ist man nach solch einem langen Flug müde, ich schlief trotz der Käfer – im Bett war keiner – ein.

Am Morgen sah die Welt schon ganz anders aus … ich war in China!

Es ging los mit der Stadtrundfahrt und zur verbotenen Stadt. Es gab kaum Autos, nur Fahrräder, stetig klingelnde Fahrräder. Egal wo man war, es klingelte immer. So eindrücklich war das, dass ich es heute noch zurückholen kann.

Die Reiseroute: Peking – Xian – Luoyang – Nanking – Suzhou – Shanghai – Hangzhou – Kanton – Hongkong.

Nach der Chinesischen Mauer war die tönerne Armee in Xian ein Höhepunkt.

Wir konnten durch das Ausgrabungsfeld spazieren, jedem Krieger ins Gesicht schauen. Als ich 1995 nochmal auf der Durchreise nach Tibet in China war, war alles unter Glas. Das lebendige Ausgrabungsfeld war ein totes Museum geworden – schade. Auch der Himmelstempel, ein runder Bau mit einer herrlichen Decke, in den wir noch hineingehen konnten, war nun mit Seilen abgesperrt über die man sich beugen musste um die Decke zu betrachten. Lange macht das kein Genick mit.

Und wir sahen noch die Menschen in grauer Einheitsuniform, sie war 1995 der blauen Einheitsjeans gewichten … welch ein Fortschritt!

An die Spucknäpfe hatte ich mich auch irgendwann gewöhnt, einfach nicht hineinschauen. Schon komisch, dass ich sie bei meinem zweiten Besuch vermisste. Auch sie waren der Moderne zum Opfer gefallen.

Auf dem Kaiserkanal in Suzhou fuhren wir in lila Wasser … damals schon … 1984, man sah die Farbe in der Gischt, die der Motor aufschäumte, welche Farbspiele sich da heute wohl zeigen?

In Kanton dann merkte man die Nähe Hongkongs, jede Menge Autos und kein Vorwärtskommen mehr. Außerdem auffallend die Satellitenschüsseln, die alle gen Hongkong gerichtet waren.

Über das Essen möchte ich noch so viel schreiben, dass ich lernte mit Stäbchen zu essen. Die Reisegruppe vertrieb sich die Zeit bis das Essen kam stets damit, wer am schnellsten die meisten Erdnüsse mit den Stäbchen in seinen Teller bringt. Richtig gelernt habe ich es nie, da gehört irgendeine Fingerfertigkeit dazu, verhungert bin ich trotzdem nicht … und zur Not waren für die Langnasen auch Löffel verfügbar.

Die Restaurants waren meist unvorstellbar riesig, dennoch kam das Essen so schnell wie bei uns im Imbiss. Einmal schmeckte es einem Teilnehmer so gut, dass er nachbestellte, das ist in China eine Beleidigung. Woher soll man das wissen? Wenn ich Besuch habe freue ich mich, wenn es den Leuten schmeckt und sie noch etwas haben wollen. In China sagt man dem Gastgeber damit indirekt, dass er zu wenig gekocht hat und die Gäste nicht satt wurden. Welch eine Schmach.

Alles in allem hatte ich mich in China schnell eingewöhnt, der eine oder andere Schock gehört einfach dazu, mit den Hotels hatte ich das größte Problem, da gab’s auf der ganzen Reise nur eines, das dem sogenannten westlichen Standard halbwegs entsprach.

Was mich von allem am meisten faszinierte und in seinen Bann schlug waren die Klöster. Leider war die Reise, es war ja eine Studienreise, ganz auf Kunst ausgerichtet. Die Klöster wurden daher auch nur unter diesem Gesichtspunkt betrachtet. Über die darin gelebte Religion bzw. den in China gelebten Buddhismus erfuhren wir so gut wie nichts.

Es kam der Tag und ich erreichte mein ursprüngliches Ziel: Hongkong. Ein erstklassiges Hotel zum Abschied tat gut, ein Blick über die Stadt voll blinkender Reklame und hupender Autos.

Edle Einkaufspassagen mit Cafés, die der Naschkatze jeden Wunsch erfüllten und  … endlich … die Dschunken. Ja, darin lebten die Menschen tatsächlich. Unvorstellbar. Einige hatten den Zeitgeist schon erkannt und vermieteten sie an Touristengruppen, die damit durch die Dschunkenstadt fuhren. Riesige Restaurants in der Bucht auf dem Wasser. Hongkong muss man gesehen haben, das kann man nicht beschreiben.

Meine erste Fernreise ging zu Ende, ich will nun nicht pathetisch werden, nicht sagen ich sei danach ein anderer Mensch gewesen … aber sie hatte mich verändert. Ich hatte etwas gesehen, das ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können.

Ich hatte noch das alte China erlebt, wo in den abgelegenen Dörfern für die Menschen der Europäer eine kleine Sensation war. So wollte ich mir in einem Laden zwei typische Teebecher mit Deckel kaufen. Sie gibt es bei uns inzwischen auch, ich sah sie in China das erste Mal. Ich ging also in den Laden hinein, zeigte auf die Becher die ich wollte und machte unser Zeichen mit den Fingern für Zwei. Die Verkäuferin verschwand und kam mit einem Karton Becher zurück. Als ich in den Laden reinging war er leer, jetzt war er bis hinten gefüllt. Meine Güte, dachte ich, ich halte hier alles auf … acht Becher stellte die Verkäuferin vor mich hin. Ich wollte aber nur zwei, machte wieder das Zeichen Daumen und Zeigefinger. Es dauerte seine Zeit bis wir uns verstanden. Unsere Zwei mit Daumen und Zeigefinger ist in China die Acht. Sie verpackte also meine zwei Becher und ich ging hinaus. Danach war der Laden auch wieder leer, es waren alles nur Schaulustige gewesen, keine Kunden … endlich war mal was geboten gewesen im Örtchen.

Meine zwei Becher überlebten bis Frankfurt. Ich hatte sie extra nicht ins Fluggepäck getan. Hängte die Tasche am Frankfurter Flughafen auf der Toilette an die Türklinke, von außen drückte jemand runter und kaputt waren die schwer erkämpften Teebecher mit Deckel aus China.

Der allgegenwärtige Spucknapf und ein landestypischer Papierkorb

 

Ein praktischer Käfig, oben für den Vogel – unten für den Fisch

 

Karussell

 

Gemütliches Abteil im Nachtzug

 

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USA 1985

Dieses Jahr wurde ich 30 und meine Eltern schenkten mir eine Reise in die USA.

Ich hatte mir schon ‚Höhepunkte des Fernen Ostens‘ ausgesucht, meine Mutter meinte aber, die USA müsse man gesehen haben. Wie sie, die Deutschland noch nie verlassen hatte, darauf kam weiß ich nicht. Ich wollte meine Eltern nun auch nicht enttäuschen und, ja, ich gebe zu, es reizte mich schon auch. Also suchte ich mir eine dreiwöchige Reise aus ‚Von Küste zu Küste‘ mit folgenden Stationen

New York – Atlanta – Salt Lake City – Bryce Canyon – Grand Canyon – Carefree – Las Vegas – San Franzisko – Los Angeles – New Orleans – Miami – Washington – New York.

Und es war grandios! Auf keinen Fall möchte ich diese Reise missen, aber zu meiner Sehnsucht wurde das Land nicht. Sollte es ein Versuch meiner Eltern gewesen sein, mich auf den ‚richtigen‘ Weg zu bringen, er war gescheitert. Das Licht kommt nun mal aus dem Osten und das suchte ich.

In New York frühstückte ich bei McDonald’s und fand das unheimlich cool, wie man heute sagen würde. Beeindruckt hatte mich die Freundlichkeit der Menschen dort.

Ich stand vor dem riesigen Angebot – kein Vergleich mit dem hier bei uns – und wusste nicht was was ist und was ich wollen könnte. Sowohl die Bedienung als auch die Umstehenden waren sowas von nett und geduldig und freuten sich dann mit mir, als ich mein Frühstück endlich auf dem Tablett hatte. Keine Hektik, kein ‚wann geht’s denn endlich weiter‘, kein ‚was ist denn da vorn los?‘. Es war früh morgens, die Leute wollten ins Büro, ich denke mal alle außer mir hatten es eilig, aber man ließ es dem Fremden, dem Gast, nicht merken. Das war mein erster Eindruck von den USA.

In San Franzisko fehlte mir eine Münze um durch eine Schranke zu kommen, eine Frau schenkte sie mir. Diesem Vorbild folge ich seither, habe inzwischen schon etlichen ähnlich in der Klemme Sitzenden herausgeholfen.

So ging es auch weiter, es war eine rundum harmonische Reise. Megastädte und grandiose Landschaften wechselten sich ab.

Ich machte Bekanntschaft mit dem Amerikanischen Frühstück, da gab’s schon ein bisschen mehr als Semmel, Butter und ein Ei.

In Las Vegas erlebte ich 3D. Man saß in einem Rund. Als es begann neigten sich die Sitze, man lag praktisch. Dann ging ein ‚Film‘ ab, der mich in Angst und Schrecken versetzte. Man flog, man raste Serpentinen hinauf und hinunter, ich hielt mich am Sitz fest und redete mir immer wieder ein, dass das alles Fiktion war. Ich versuchte also, das Ganze zu genießen – es war ein nie wieder erlebtes Erlebnis. Die 3D Filme, die bei uns gezeigt wurden, waren nicht das was mir damals geboten wurde. Das war eine ganz andere Technik gewesen, man war mittendrin, man konnte die Gestalten buchstäblich anfassen bzw. sie fassten einen an. Ein wirkliches Highlight.

Und ewig in Erinnerung bleibt mir das Essen am heißen Tisch. Das kann man nicht beschreiben, das muss man gesehen haben. Überhaupt kann ich vom Essen nur das Beste berichten.

In New Orleans ging man mit dem Drink durch die Straßen, draußen dampfheiß, Kühlung kam aus den Restaurants in denen die Klimaanlage voll aufgedreht und die Türen offen waren, um die Straßen zu kühlen.

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