Wie ich ein Freigeist wurde

Drei Erlebnisse, die mich prägten und mir etwas mit auf den Lebensweg gaben.

Beginne ich im Kindergarten, ich höre schon immer sehr gut, auch heute noch im Alter. Wir standen in Reih und Glied vor Kindergärtnerin und Nikolaus, die nebeneinander saßen. Für jedes Kind hatte der Nikolaus ein Geschenk und einen Kommentar in Richtung ‚Brav gewesen oder nicht.‘ Nun hörte ich leider, wie sie ihm ins Ohr flüsterte was er zu mir sagen sollte.

Dann Fräulein B. meine Lehrerin in der dritten und vierten Klasse Volksschule. Welches Kind sagt nicht, wenn es bei etwas erwischt wird erstmal ‚Ich war’s nicht.‘ Fräulein B., eine alte Dame, die meine Oma hätte sein können, hatte nun die besondere Gabe, das Lügenmännchen in den Augen des Lügners zu sehen. Natürlich war auch ich immer mal wieder unter den Delinquenten … nur dumm, dass sie bei mir einmal das Lügenmännchen sah, als ich unschuldig war und nicht log.

Die Dritten im Bunde waren meine Eltern. Ich kam eines Sonntagmorgens ins Schlafzimmer zum Kuscheln, wie so oft. Diesmal kam ich offenbar ungelegen. Meine Mutter meinte: ‚Da in dem Schrank sind die Weihnachtsgeschenke, nimm‘ dir eines und geh‘ wieder.‘ Ich nahm keines sondern ging zurück in mein Zimmer, enttäuscht in zweierlei Hinsicht. Einmal die Eltern, die mich nicht haben wollten und die Tatsache, dass dieser Schrank, der doch vom Christkind vom Himmel aus bewacht wurde, den ich nie und nimmer jemals öffnen durfte, nun zur Plünderung freigegeben war.

Ich glaubte an den allwissenden Nikolaus und war belogen worden.

Ich glaubte an das Lügenmännchen und ausgerechnet die Person, die mich als Lügnerin bezeichnete log mich an.

Und das Christkind, wichtiger als Nikolaus und Lügenmännchen. Was war das immer spannend vor Weihnachten, wenn es kam und mit meiner Mutter besprach was ich mir wünschte und was es davon bringen konnte oder wollte … hing ja von verschiedenen Faktoren ab, die sich alle mit dem damals allgegenwärtigen ‚brav sein‘ zusammenfassen lassen. Das Allerheiligste für mich war besagter Schrank, in dem das was das Christkind gebracht hatte aufbewahrt wurde. Meine Mutter entweihte alles mit diesem einen Satz.

Das Erlebte hat nichts mit dem Reisen zu tun, doch das Geschehene prägte mich. Hinterfrage alles, glaube nur was du selbst gesehen hast, stelle alles in Frage, lasse dich von niemandem konditionieren.

Nicht nur auf meinen Reisen musste ich oft ‚das was ich gehört hatte‘ revidieren, das was man mir als ‚Höhepunkt‘ empfahl unter ‚ferner liefen‘ einordnen.

Man verwechsle was ich schreibe nicht mit Misstrauen. Nur wachsam war ich stets, ließ mir im Leben kein X mehr für ein U vormachen. Damit tat ich mir nicht immer leicht. Vor allem als ich Jahrzehnte später in Indien auf die Guru Szene traf. Doch dazu später.

            
            
          
      

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