Flugangst

Meinen ersten Flug – nach Ibiza – erwartete ich mit Spannung und Vorfreude. Hatte nicht die geringste Angst. Und als es dann soweit war fand ich das Starten berauschend, die Landung, allein schon wegen der Vogelperspektive, großartig. Ich weiß nicht wann und warum mich eines Tages die Flugangst übermannte.

Die Reisen gen Norden machte ich ja alle mit dem Bus und eine Busreise überquert das Wasser mit dem Schiff.

Nach Marokko hätte ich fliegen können, entschied mich aber für eine Reise mit Bus und Schiff, um nicht fliegen zu müssen.

Der blanke Horror ergriff mich, als ich 1984 mit dem Zubringerbus auf den Riesenflieger nach China zufuhr. Wie konnte so etwas sich in die Lüfte erheben? Fluchtgedanken kamen auf …

Bei Island und den Färör Inseln entschied ich mich 1986 lieber wieder für Bus/Schiff. Sicher war es schön, so diese Inseln zu besuchen, aber der eigentliche Grund war die Angst vor dem Fliegen.

1987 versank im Hafenbecken von Zeebrügge ein Fährschiff. Das nahm mir nicht die Angst vor dem Fliegen, machte mir aber klar, dass ich das Abstürzen dem Versinken vorziehen würde.

So flog ich um die Welt … die Flugangst verließ mich nie mehr, obwohl ich außer mehr oder weniger starken Turbulenzen nichts Tragisches erlebte. Schlafen konnte ich im Flieger nie … hatte Augen und Ohren stets auf Empfang, um die geringste Veränderung wahrzunehmen, die ich als Ankündigung eines Absturzes interpretieren müsste.

Grauenhaft waren Anflüge auf Inseln oder Flughäfen, die am Meer lagen, man konnte die Fische schon sehen, aber kein Land. Beklemmend war die Zwischenlandung von Saudi Arabien nach Hause in Genf, der Pilot war doch keine Berge gewohnt. Beängstigend war, als bei meiner zweiten Marokko Reise der Flieger in Fes repariert wurde bevor es weiter nach Agadir ging. Grauenvoll war der Landeanflug auf Ladakh, ich glaubte die Gipfel mit der Hand berühren zu können. Gespenstisch war ein Flug von Urumtschi nach Peking in einer uralten, auch innen gigantisch großen Maschine, die man von hinten bestieg und die die seltsamsten Geräusche von sich gab. Dazu kamen all die Flüge mit Fluggesellschaften, denen ich mein Vertrauen nicht wirklich entgegenbringen konnte.

So habe ich 395 Flüge überstanden – die Flugangst war der Preis für die Reiselust.

            
            
          
      

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