Meine Eltern

Meine Eltern teilten meine Begeisterung nie. Die Bilder schauten sie an, mein Vater mit einem gewissen Interesse und sarkastischen Bemerkungen, meine Mutter mit einem Gesichtsausdruck der Bände sprach. Sie konnte mit all dem überhaupt nichts anfangen. Sie wollte eine ‚normale‘ Tochter, die heiratete und ihr Enkel schenkte.

Ich passte nicht zu diesem Ehepaar, das wurde mir immer bewusster.

Mein Vater ging in der Musik auf und erfreute sich an der Botanik, schon als Kind sah ich im Mikroskop den Mikrokosmos der Pflanzenwelt. Wir hatten einen Flügel und ein Cembalo ‚Hänschen klein‘ und ‚Alle meine Entchen‘ konnte ich spielen. Mein Vater hatte nicht das geringste Interesse, seine Tochter für die Musik zu begeistern. Viele Kinder nahmen Klavierunterricht, sie hatten zu Hause kein Klavier. Ich hatte ein Klavier und einen Klavier spielenden Vater … als ich mir mit 53 ein Indisches Harmonium kaufte bereute ich, kein Tasteninstrument gelernt zu haben. Ich tat mir unheimlich schwer und es reichte nur für den Hausgebrauch.

Meine Mutter kochte und buk gern. Als ich noch ein Kind war strickte sie mir Pullover und Kleider, sie stickte Oster- und Weihnachtsdecken, später begann sie zu knüpfen. Auch sie motivierte ihre Tochter nicht, im Gegenteil, in der Küche wollte sie mich nie haben, mit ‚das geht schneller wenn ich es selber mache‘ wurde ich am Mithelfen gehindert … und das Handarbeiten brachte sie mir auch  nicht nahe.

Ich wollte reiten, aber das war zu gefährlich. So hing ich irgendwie zu Hause rum. Meine Eltern und ich, wir konnten einfach nichts miteinander anfangen. Als ich berufstätig wurde entfernten wir uns mehr und mehr, als ich auszog konnte man schon nicht mehr von gutem Kontakt sprechen.

Ich brachte meiner Mutter dann einmal ein einfach geschriebenes Buch über das asiatische Gedankengut mit, als Versuch darüber mit ihr in Kontakt zu kommen. Als ich nach Wochen fragte, wie es ihr gefallen habe: ‚Das ist nichts für mich.‘ Ich beließ es dabei.

2006 versuchte ich eine Aussprache herbeizuführen, sie endete mit einem Schlusssatz meines Vaters, der alles klarstellte: ‚Du kannst machen was du willst, aber lasse uns damit in Ruhe.‘

So ist das Verhältnis zu meinen Eltern das Päckchen das ich mit mir trage. Beide waren hoch betagt als sie starben, meine Mutter mit 83, mein Vater mit 93. Was hätten wir für einen Spaß miteinander haben können.

Meine Mutter wurde dement und lag Jahre im Pflegebett bis sie erlöst wurde, mein Vater war gesund und munter bis er eines Morgens nicht mehr erwachte. Ein Tod wie ihn sich jeder wünscht.

Wir hatten keinen Kontakt mehr. Andere Familien zerstreiten sich, das ist irgendwie nachvollziehbar, aber ich fand zu meinen Eltern nie Kontakt oder gar Zugang und sie nicht zu mir. Das Schicksal hatte Stolpersteine in den Weg gelegt, die wegzuräumen wir drei nicht fähig waren.

            
            
          
      

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