Die verhüllte Frau

Die verhüllten Frauen gehören zum Orient, sie gehörten genau so hierher, sie sind ein Teil der Kultur. Und man darf nicht außer Acht lassen, dass auch der Mann keine Haut zeigt, allein sein Kopf ist nicht verhüllt, aber oft trägt er eine Mütze. Man verhüllt sich schon allein wegen der Sonne. Auf einer Wanderreise durch die Wüsten des Vorderen Orients ließen wir Frauen freiwillig unser Top im Koffer und verhüllten uns von oben bis unten.

Auch in den ländlichen Gebieten Südeuropas traf ich Frauen mit Kopftuch. Meine Oma war offenbar fortschrittlich, sie trug keines, doch wenn sie mich mitnahm zu ihren Bekannten, da waren durchaus Frauen dabei, die eines trugen, in der Kirche sowieso. Noch 1966, als meine Eltern bauten und wir aufs Land zogen, saßen in der Kirche dieses Ortes Frauen und Männer getrennt.

Und bei aller Fortschrittlichkeit meiner Oma … als ich 1962 in eine gemischte Schule kam bereitete ihr das doch größte Sorge.

Ich stand dem Kopftuch immer aufgeschlossen gegenüber. Als 1990 der Iran wieder für Touristen bereisbar wurde galt es, Mantel und Kopftuch zu tragen, ein weiter Rock und eine enge weite Bluse waren auch erlaubt. Ich entschied mich für Letzteres.

Wir waren eine kleine Gruppe und die erste von zwei Reisen, auf denen allein reisende Ehemänner in der Überzahl waren. Ihre Frauen gingen aus Protest gegen das Kopftuch nicht mit.

Das Kopftuch konnte locker gebunden werden, man durfte Haar sehen. Die Iranerinnen machten aus dem Kopftuch ein modisches Accessoire, so wie wir uns einen schicken Schal um den Hals legen so drapierten sie ihr Kopftuch kunstvoll um ihr Haupt.

1999 öffnete Saudi Arabien seine Tore. Hier galt es, den Schador und ein die Haare vollkommen verhüllendes Kopftuch zu tragen. Beides erhielten wir am Flughafen. Wieder eine Gruppe mit allein in die Wüste geschickten Ehemännern.

Die Abneigung verheirateter Frauen gegen die Verhüllung schien größer als die der unverheirateten Frauen.

Ich freute mich auf den Schador legte ihn mit Begeisterung an, er machte mich zu einem Teil des Orients.

Und wie schon im Iran fand ich es irgendwie genial … man musste sich nicht richten, die Haare föhnte ich einfach trocken und unter dem Schador trug ich ein T-Shirt, das ich, wenn es zu heiß wurde, einfach nass machte. Eine bessere Klimaanlage konnte ich mir nicht vorstellen.

Doch die Begeisterung schwand irgendwann, und zwar als wir in Hotels kamen in denen Amerikanerinnen (Saudi Arabien hat amerikanisches Militär im Land) in europäischer Kleidung saßen und wir im Schador. Es wurde offenbar mit zweierlei Maß gemessen. Das machte mich sauer.

Dann ärgerte ich mich, als in einem der herrlichen Business Hotels der Swimmingpool nur einmal in der Woche für Frauen ein Stündchen offen war. Da stand ich dann im Schador am Fenster und schaute den sorglos badenden Männern zu. Mein Widerstand wuchs. Ich hatte nichts gegen die Trennung, aber die ungleiche Verteilung.

So kam es wie es kommen musste, der Schador war nicht mehr mein orientalischer Freund. Am Flughafen zog ich ihn aus und warf ihn voll Wut auf einen Stuhl, sollen sie ihn selber wegräumen. Ich wollte ihn nicht mal mehr als Souvenir.

            
            
          
      

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