Wie alles begann

1973 war es soweit, ich war jetzt berufstätig. Meine Eltern hatten mich in eine Großfirma gesteckt, wo ich gut versorgt war und gut verdiente. Ich wollte eigentlich Tierpflegerin werden, aber sie meinten, das sei nichts. Sie hatten sicher nicht unrecht … ich hatte Daktari zum Vorbild, eine Fernsehsendung um einen Tierarzt in Afrika, heile Welt – Affe und Löwe als Haustier.

Die Realität sah sicher anders aus in einem Zoo und als ich dann nach Jahren mal eine Besichtigung eines solchen mit der Volkshochschule machte, da wurde mir vieles klar … täglich wird eine Tonne vergaster Eintagsküken angeliefert, mit denen ich dann die Tiere auf deren Speiseplan sie standen hätte füttern dürfen … also nix mit Banane und Äffchen … die Realität hatte mich eingeholt.

Die Frage was wäre aus mir geworden wäre ich Tierpflegerin geworden … soll ich sie mir stellen? Nein, alles ist richtig so wie es ist. Es wartete ein spannendes und erfüllendes Reiseleben auf mich, aber davon wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Erstmal wohnte ich noch zu Hause, Bett wurde gemacht, der Kühlschrank war gefüllt und nebenbei hatte ich mein eigenes Geld. Führerschein und Auto ließ ich mir noch schenken, aber dann wollte ich selbständig sein.

Kleinere Reisen mit dem Bus waren schon möglich. Ein Wochenende in Paris, in Wien, Ostern in Belgien, zur Tulpenblüte nach Holland.

Eine Kollegin war 1975 auf Ibiza und suchte 1976 jemanden der mitging. Na das war doch was, mein erster Flug. In Ibiza war dann der Streit vorprogrammiert … nachts Party, tagsüber am Strand schlafen – das war nichts für mich. Ich wollte aktiv sein, mir die Insel anschauen und ich begann, wieder bei Nacht zu schlafen und den Tag mit Ausflügen zu füllen. Zum Glück hatten wir Einzelzimmer. So machte ich erstmal mit dem Bus eine Inselrundfahrt, mietete mir ein Rad, fuhr mit dem Glasboden Boot hinaus aufs Meer und mit einem Schiff rüber nach Formentera. Meine Kollegin war zu keiner Aktivität zu motivieren, wir sahen uns bis zum Abflug kaum mehr. Sie war zudem sauer, fühlte sich in Stich gelassen. Ich will auch nicht sagen, dass ich kein schlechtes Gewissen gehabt hätte. Ich wusste, dass sie eher träge war, hätten wir uns doch vorher darüber unterhalten was eine jede unter Urlaub versteht. Wie immer ist man hinterher schlauer.

Vielleicht reifte zu jener Zeit auch etwas … ich war immer ein ‚braves Kind‘, machte was die Eltern für richtig hielten. Ich hatte keine strengen Eltern, hatte weit mehr Freiheiten als damals üblich war   … doch wollte ich nun kein ‚braver Erwachsener‘ werden. Ich wollte meinen Lebensweg gehen.

Meine nächste Reise machte ich gleich alleine, zwei Wochen London, mein zweiter Flug und weil mir das Starten und Landen so gut gefallen hatte flog ich nicht direkt, sondern über Frankfurt. Darauf folgte die Cote d’Azur, Venedig, Wien, Rom, Lausanne, Verona, Paris, Mailand, eine Rundreise durch die Provence, durch Schottland, durch Norwegen.

Norwegen hatte es mir angetan, die Landschaft, das Essen, die Schokolade, das Eis – da musste ich nochmal hin und wenn schon, dann gleich ans Nordkap. Am Nordkap hatten wir klaren Himmel und ich konnte die um Mitternacht vorbeiziehende Sonne betrachten. Ein unvergessliches Naturschauspiel. Und wenn es nachts nicht dunkel wird … das ist schon auch ein Erlebnis.

Alle diese Reisen machte ich mit dem Bus, damals die billigste Art zu reisen und wenn man alleine unterwegs ist findet man schnell Anschluss, ist aber dennoch frei. Ich fand das irgendwie ideal.

1980 verließ ich das Hotel Mama. Ich mietete mir ein 40 qm Appartement, mehr war finanziell nicht drin, wenn ich mit dem Reisen weitermachen wollte. Reichte auch vollkommen, ich war ja im Prinzip nur zum Schlafen zu Hause. Meine Arbeit machte mir nämlich große Freude, danach ging‘s oft mit Kollegen noch auf ein Bier oder ich ging reiten, was ich schon als Kind machen wollte, aber meine Eltern nicht erlaubten, weil es zu gefährlich sei.

Im Hotel Mama bekommt man ja so gar nicht mit was das Leben kostet und wie alles finanziell funktioniert. Jedenfalls bekam ich 1981 eine Mietrückzahlung von 411 Mark – den Betrag werde ich nie vergessen – gleichzeitig verringerte sich meine Miete um 25 Mark. Welch ein unerwarteter plötzlicher Reichtum!

Und da ich nur ausgegebenes Geld als Bereicherung empfinde war die große Frage wohin mit den 411 Mark? Bei einem Stadtbummel fiel mein Blick dann eines Tages auf das Fenster eines Reisebüros, 4 Tage Tunesien Rundreise für nur wenig mehr, genau weiß ich den Preis nicht mehr.

Tunesien … das war Orient … damals kursierte noch das Gerücht, dass eine blonde Frau dort von Einheimischen geraubt und gegen Kamele eingetauscht werden würde. Ich war blond, die Reise war also ein Risiko. Aber wenn ich mich nicht von der Reisegruppe trennen würde, wenn ich einfach keinen Moment allein in einem engen Bazar unterwegs war, wenn ich mein Hotelzimmer fest verschloss, dann müsste es doch möglich sein wieder nach Hause zu kommen … diese Gedanken gingen mir damals wirklich durch den Kopf, dennoch buchte ich in einem Anfall von Mut 4 Tage Tunesien vom 27. – 30. Januar 1982. Die Neugier hatte gesiegt.

Ich wurde nicht geraubt, sondern ich lernte ein Land voll liebenswerter Menschen kennen, ein Land, das mich, stellvertretend für den Orient, in seinen Bann zog. Endlich war ich da angekommen, wo alles anders aussah als in Europa. Wenngleich es mit den exotischen Mitbringseln noch haperte. Datteln gab’s ja auch bei uns … aber halt nicht so frisch. Mit irgendetwas muss man sich ja motivieren.

     

Auch wenn die Reise nur kurz war und nur einen winzigen Ausschnitt des Landes zeigte – Monastir, Gabes, Tozeur – begann nach Tunesien mein eigentliches Reiseleben das zu meiner Lebensreise wurde.

Klar schaute ich mir auch Europa noch an, Italien, Spanien, Russland und eine Reise mit dem Glacier Express durfte nicht fehlen … die Ouvertüre zu viel Schönem …

            
            
          
      

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