Korea, Taiwan, Hongkong 1994

Für den August hatte ich eine Reise in die Mongolei gebucht, zwei Wochen vor Beginn sagte der Veranstalter mangels Teilnehmer ab.

Das war ein harter Schlag, wohin, nun im August, in der Regenzeit? Der Urlaub war geplant, verschieben konnte ich nicht, weil ich im Herbst schon einen Wüstenreise gebucht hatte.

Ich fand eine Reise, Korea, Taiwan, Hongkong, die genau zur gleichen Zeit stattfand wie die Mongolei Reise. Na gut, probier‘ ich das mal.

Die Anreise war individuell, man traf sich in Seoul. Ich flog einen Tag früher als notwendig, kam abends im Hotel an und kaum war ich, fix und fertig nach dem langen Flug, eingenickt klingelte das Telefon.

Die Reiseleiterin rief an, in akzentfreiem Deutsch, ob ich gut angekommen sei und noch etwas unternehmen wollte … nein, nein, auf keinen Fall, für mich gab es nur noch die Waagerechte. Sie ließ nicht locker, was ich denn morgen früh machen wolle, sie würde mich begleiten.

Ich fragte sie, was sie morgen machen würde, wenn ich nicht da wäre. Sie würde wie immer sonntags in die Kirche gehen. Ganz spontan sagte ich: ‚Dann nehmen sie mich doch dahin mit.‘

Und so holte sie mich am anderen Morgen ab, sie schien es gar nicht erwarten zu können, kam schon zum Frühstück. Wo ich herkäme wollte sie wissen.

Aus Süddeutschland, sagte ich. Wo genau? Aus der Nähe von Stuttgart. Wo genau? Meine Güte, dachte ich, was hat sie denn, sie wird doch Böblingen nicht kennen, was soll die Fragerei. Also sagte ich, dass ich aus Böblingen käme.

Da ging ein Strahlen über ihr Gesicht. Sie kannte Böblingen so gut wie ich. Sie war in den 1960er Jahren als Krankenschwester im dortigen Krankenhaus und eine der wenigen, die wieder zurückkehrte. Nun war kein Halten mehr, sie war derart aufgedreht vor lauter Freude, frage mir Löcher in den Bauch wie es um ihr geliebtes Böblingen stünde. Ich war die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches, bei jeder deutschen Reisegruppe hoffte sie, einmal jemanden aus Böblingen zu treffen. Nun war ich da.

Wir hätten fast die Kirche verpasst … das wäre zu schade gewesen, ich hätte etwas versäumt. Die Atmosphäre in dieser Kirche kann ich natürlich nicht mit Worten weitergeben.

Wie die Moslems damals bei uns, so hatten die Christengemeinden in Korea nicht alle Kirchen. Der Gottesdienst fand also in einer gemieteten Etage in einem normalen Haus statt. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Es ging dort kein Klingelbeutel um wie bei uns, sondern man stellte sich nach dem Gottesdienst in eine Reihe und jeder steckte etwas in einen Opferstock. Ich stellte mich ebenfalls an, sah aber beim Zurückblicken, dass eine geschmückte Kassette durch die Bänke gereicht wurde. Als ich gespendet hatte und auf meinen Platz zurückkam fragte ich was das war. Die Reiseleiterin erklärte mir, dass das Geld, das ich in den Opferstock gesteckt hätte der Katholischen Kirche zugutekäme, mit der geschmückten Kassette würde für eine eigene Kirche gesammelt. Schade, das hatte ich verpasst, da hätte ich viel lieber was rein.

Es wurde dann noch gesungen und gebetet und ich konnte meinen Gedanken freien Lauf lassen. Für eine Kirche in Korea zu spenden das wäre doch etwas Außergewöhnliches.

Ich bat also um die Bankdaten der Gemeinde und überwies als ich wieder zu Hause war meine Spende für diese Kirche. Irgendwann flatterte mir dann der Gemeindebrief ins Haus, in dem der Pfarrer sich bedankte und später mal das Bild der fertigen Kirche.

Nun aber zu der Reise.

Regenzeit halt … muss man auch mal erlebt haben. In Korea ging’s irgendwie noch, in Taiwan schüttete es wie aus Kübeln, die Straßen  standen unter Wasser, den Menschen floss das Wasser durch die Häuser, aber sie waren das ja gewohnt, was sollten sie auch tun? Die Fahrt durch die berühmte Taroko Schlucht, ein Höhepunkt, war nicht möglich.

Somit fiel das Naturerlebnis ins Wasser, wurde aber durch stimmungsvolle Klöster wettgemacht. Selten auf einer Reise erlebte ich den Buddhismus derart intensiv und lebendig.

Während es in den beiden Ländern wenigstens warm war, so empfing mich in Hongkong zum Regen noch eine Kälte.

Impressionen Korea

Im Kloster

     

Mautstation

Beim Essen hatte man die Wahl zwischen einem feinen Lokal

oder Heuschrecken am Straßenrand

            
            
          
      

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